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Wofür kann ich KI in meinem Maklerbüro sinnvoll einsetzen?

KI im Maklerbüro: was sie kann, was sie nicht darf

Für alles, was Fleissarbeit an vorhandenen Daten ist: Texte entwerfen, Dokumente auslesen, grosse Bestände vorsortieren, Bilder aufbereiten. Nicht für Entscheidungen über Menschen und nicht für Aussagen, die niemand nachprüft. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Aufgaben, sondern zwischen Vorschlag und Beschluss.

Zuletzt geprüft 06.09.20264 Minuten

Zwischen „KI verändert alles" und „das ist doch nur ein besserer Textbaustein" liegt der Alltag eines Maklerbüros. Dieser Leitfaden versucht, ihn nüchtern zu beschreiben: vier Aufgaben, für die die Technik heute wirklich taugt, drei, für die sie nicht taugt, und die Regeln, die man sich dazu aufschreiben sollte.

Die Trennlinie#

Sie verläuft nicht zwischen Aufgaben, sondern zwischen Vorschlag und Beschluss.

Ein Sprachmodell ist gut darin, aus vorhandenem Material etwas Neues zu formulieren, Muster zu erkennen und grosse Textmengen zu sichten. Es ist schlecht darin, zu wissen, was es nicht weiss. Es erfindet nicht aus Bosheit, sondern weil es das wahrscheinlichste nächste Wort wählt, und das wahrscheinlichste Wort ist manchmal eine Zahl, die nirgends steht.

Daraus folgt eine Regel, die für jede Anwendung im Büro gilt: Was ein Modell erzeugt, ist ein Entwurf. Ein Mensch liest ihn, bevor er hinausgeht. Wer diese Regel aufgibt, spart zehn Minuten und riskiert eine falsche Angabe in einer Anzeige.

Vier Aufgaben, für die es taugt#

1. Texte entwerfen. Exposé-Abschnitte, Objektbeschreibungen, Nachfassmails. Die Daten stehen im CRM, was fehlt, ist die Formulierung. Ein Modell schreibt fünf unterschiedlich lange Abschnitte in einer Minute, für die eine Person eine halbe Stunde braucht. Der Gewinn ist echt, und das Risiko ist beherrschbar, weil ein Mensch den Text ohnehin liest.

2. Dokumente auslesen. Ein Energieausweis als PDF, ein Grundbuchauszug, eine Teilungserklärung. Die Werte stehen drin, sie müssen nur heraus und an die richtige Stelle. Das ist die dankbarste Aufgabe überhaupt, weil das Ergebnis prüfbar ist: Man sieht sofort, ob die Zahl stimmt.

3. Grosse Bestände vorsortieren. Ein gewachsener Kontaktbestand hat Hunderttausende Aktivitäten. Kein Mensch liest die noch einmal. Ein Modell kann sie sichten und Kandidaten vorschlagen. Entscheidend ist, was dabei herauskommt: eine Prüf-Liste, kein Anrufplan, und jeder Treffer mit einem datierten Zitat als Beleg. Ohne Beleg ist es Raterei mit Nachkommastellen.

4. Bilder aufbereiten. Belichtung geraderücken, Perspektive korrigieren, leere Räume möblieren. Hier gilt eine zusätzliche Regel: Alles, was den Bildinhalt verändert statt ihn nur zu korrigieren, gehört gekennzeichnet. Ein möbliertes Foto ist eine Visualisierung und kein Zustand.

Drei Aufgaben, für die es nicht taugt#

1. Entscheidungen über Menschen. Wer eine Wohnung bekommt, ist keine Frage, die eine Software beantwortet. Abgesehen davon, dass eine Vorauswahl nach Merkmalen schnell in den Bereich des Gleichbehandlungsgesetzes gerät, ist die Datengrundlage für so eine Entscheidung nie gut genug.

2. Aussagen, die niemand nachprüft. Eine Bewertung, eine Prognose, eine Zahl in einer Anzeige. Wenn das Ergebnis nicht gegen eine Quelle geprüft werden kann, ist es keine Auskunft, sondern eine gut formulierte Vermutung.

3. Direkter Kontakt ohne Freigabe. Technisch kann ein System Mails schreiben und versenden. In dem Moment, in dem es das ohne Freigabe tut, haftet das Büro für einen Text, den niemand gelesen hat, gegenüber einer Person, die vielleicht widersprochen hat.

Was Sie sich aufschreiben sollten#

Vier Punkte, unabhängig davon, welche Software Sie einsetzen:

Wo laufen die Daten? Ein Modell, das in den USA rechnet, ist nicht automatisch unzulässig, aber es braucht eine Grundlage und gehört in die Liste der beteiligten Dienste. Auf dieser Plattform laufen Textmodelle in der EU; wo eine Modalität das nicht hergibt, steht es in der Verarbeitungsübersicht.

Wer hat es freigegeben? Für jede Ausgabe, die das Büro verlässt, sollte nachvollziehbar sein, wer sie gesehen hat. Ein Protokoll, das das festhält, ist kein Bürokratie-Aufwand, sondern der Unterschied zwischen „wir haben einen Fehler gemacht" und „wir wissen nicht, wie das passiert ist".

Worauf stützt es sich? Bei jeder Aussage über eine Person: Zeigen Sie die Stelle. Wenn eine Software das nicht kann, benutzen Sie sie nicht für diesen Zweck.

Was passiert bei einem Fehler? Ein technischer Fehler darf nicht Ihr Problem sein. Auf dieser Plattform geht bei einem gescheiterten Lauf das reservierte Guthaben vollständig zurück, ohne Nachfrage.

Der EU AI Act, kurz#

Die europäische KI-Verordnung stuft Anwendungen nach Risiko ein. Für die Aufgaben oben liegen die Pflichten im unteren Bereich: Es muss erkennbar sein, dass KI im Spiel ist, und verbotene Praktiken sind ausgeschlossen.

Höher wird es, wo eine Software über den Zugang von Menschen zu wesentlichen Leistungen mitentscheidet. Eine automatische Mietervorauswahl bewegt sich in diese Richtung, und zwar zusammen mit dem Gleichbehandlungsgesetz. Das ist ein weiterer Grund, es nicht zu tun.

Auf dieser Plattform trägt jede KI-Funktion eine Einstufung, und die Läufe sind protokolliert. Nicht weil es schön aussieht, sondern weil man sonst bei einer Rückfrage nichts in der Hand hat.

Womit anfangen#

Wenn Sie klein anfangen wollen, fangen Sie bei den Dokumenten an. Das Auslesen eines Energieausweises spart je Objekt zehn Minuten, das Ergebnis ist in fünf Sekunden geprüft, und wenn es nicht funktioniert, haben Sie nichts verloren.

Der zweite Schritt sind Texte, weil Sie sie ohnehin lesen.

Den Bestand nehmen Sie sich zuletzt vor. Nicht weil es dort weniger zu holen gäbe, im Gegenteil, sondern weil Sie bis dahin ein Gefühl dafür haben, was Sie einer Maschine glauben und was Sie nachprüfen.

Häufige Fragen

Ja. Ein Exposé-Text ist ein Werbetext, für den Sie ohnehin verantwortlich sind. Ein Sprachmodell erzeugt einen Entwurf, den Sie lesen und freigeben. Was Sie nicht dürfen, ist einen Entwurf ungelesen veröffentlichen: Ein Modell kann eine Eigenschaft behaupten, die in den Objektdaten nicht steht.
Wenn die Verarbeitung geregelt ist, ja. Nötig sind eine Rechtsgrundlage, ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, eine Liste der beteiligten Dienste und eine Angabe, welche Daten verarbeitet werden. Was dagegen nicht geht, ist Kundendaten in einen frei zugänglichen Chatbot zu kopieren.
Für die üblichen Anwendungen im Büro (Textentwürfe, Vorsortierung, Dokumente auslesen) liegen die Pflichten im unteren Bereich: Transparenz darüber, dass KI im Spiel ist, und keine verbotenen Praktiken. Riskant wird es erst, wo eine Software über den Zugang von Menschen zu Wohnraum mitentscheidet.
Technisch ja, in dieser Plattform nicht ohne Weiteres. Was nach aussen wirkt, läuft über eine Handlungsfreigabe je Werkzeug, und eine werbliche Nachricht wird zusätzlich gegen den Werbewiderspruch geprüft, bevor sie versendet wird.

Begriffe aus diesem Text

Werkzeuge dazu

Sehen, ob es zu Ihrem Büro passt.

Dreissig Minuten am Bildschirm, an Ihrem eigenen Bestand. Kein Countdown, kein künstlicher Druck.